Praetorius Intermezzo zum Mitsingen

Creuzburg, den 10.09.2018

Zuspruch für neues Konzept der Michael-Praetorius-Gesellschaft

Creuzburg (rüd)

Es war ein bemerkenswertes und wundervolles Konzert dazu, welches die Zuhörer in der vollbesetzten Creuzburger Nikolaikirche am Samstagabend begeisterte. Wohl auch das neu aufgelegte Konzept der Michael-Praetorius-Gesellschaft hatte daran seinen Anteil. Danach führt die Gesellschaft ab dem Jahr 2018 Praetorius-Intermezzi und Michael-Praetorius-Tage jährlich im Wechsel durch. Die Michael-Praetorius-Tage werden in dem bewährten Format alle zwei Jahre weitergeführt. Die Praetorius-Intermezzi werden in dem jeweiligen 'Zwischenjahr' in kompakterer Form vom Samstagnachmittag bis zum Festgottesdienst am Sonntag durchgeführt. Das Festkonzert am Samstagabend wird dann auch öfter von regionalen Ensembles und Nachwuchsmusikern besetzt sein. So geschehen auch an diesem Samstagabend mit dem Festkonzert, bei dem unter dem Titel 'Raum – Klang – Zeit' Chöre und Instrumente in festlicher Besetzung von Praetorius bis heute auf hohem Niveau musizierten. Die wundervolle Akustik der Nikolaikirche und die musikalische Klasse aller Akteure schafften da eine ausgesprochen wohltuende Atmosphäre im Kirchenraum. Und die Akteure waren eben die aus der Region, die mit Rang und Namen schon so manchen musikalischen Höhepunkt gestaltet hatten und jetzt von einem engagiert erklärenden und hervorragend führenden Dirigenten Christoph Peter zu einem harmonischen Ensemble vereint wurden. Die 'Concordia-Kantorei des Kirchenkreises Eisenach-Gerstungen' zeichnete da schon optisch zusammen mit den Instrumentalisten und der 'Fidelrunde Bundweis' Eisenach' ein wunderschönes Bild in die Apsis der Nikolaikirche. Im anschließenden Kirchenraum vervollständigten der 'Peter-und-Paul-Chor im Nessetal und der Kirchenchor im Erbstromtal linksseits und der Michael-Praetorius-Chor Creuzburg rechtsseits, sowie die Solisten Anna Fuchs-Mertens (Sopran), Annette Stawenow (Sopran, Ricarda Kappauf (Alt) und Michael Janus (Tenor) das Bild des großen und einzigartigen Klangkörpers. Schließlich stand das mehrchörige Musizieren im Vordergrund, das Michael Praetorius als zentralen Punkt der Musik betrachtet und selbst viele mehrchörige Werke geschrieben und aufgeführt hatte. Angelehnt hatte sich der große Creuzburger Komponist seinerzeit an den Kompositionen der italienischen Meister , die im 16. Jahrhundert in Venedig das Komponieren und Musizieren mehrchöriger Werke entwickelt hatten. „Die Möglichkeit, Sänger und Instrumentalisten auf verschiedenen Emporen und Brüstungen des Marcusdomes aufzustellen, hat diese Entwicklung gewiss begünstigt. Raum und Klang sind so eine besondere Verbindung eingegangen und haben die Neueroberung des Räumlichen in Weltbild, Philosophie und Kunst der Renaissance auf musikalischem Gebiet repräsentiert“, hieß es da erklärend im Programmheft des Praetorius-Intermezzo 2018. Emporen und Brüstungen waren nun in Creuzburg nicht die Standplätze der Chöre, aber dieses Gefühl der besonderen Verbindung von Raum und Klang war in der ungemein friedlichen Stille im Kirchenraum doch spürbar. Natürlich hatte daran auch das ausgewogene Konzertprogramm seinen Anteil, das neben den Kompositionen von Michael Praetorius, Detlef Schoener, Melchior Frank, William Brade oder Johann Sebastian Bach auch Werke von Komponisten aus unserem Kirchenkreis im Fokus hatte. Das 'Wohlauf, wohlauf mit lauter Stimme' von Michael Praetorius hatte Friedrich Hönsch einst bearbeitet, während das 'Kommt herbei, singt dem Herrn' aus der Feder von Christoph Peter selbst stammt. 'Danket, danket dem Herrn', war indes ein Auftragswerk, das Herbert Peter einmal für das landeskirchliche Treffen 1953 geschrieben hatte. Ein gewaltiges Chorwerk, das auch am Samstag dem herrlichen Chorgesang Raum zum Genießen gab. Auch der volle Klang der Instrumente und aller Chöre bei Michael Praetorius 'In dulci jubilo' zählte zweifellos zu den Höhepunkten des Abends. 'Bundweis'' die zwischenzeitlich den Chorgesang instrumental wundervoll ablöste, leitete mit einer weiteren Intrada das Finale des Konzertabends ein. Bachs Friedensbitte 'Dona nobis pacem' folgte am Ende das musikalische Abendgebet des großen Klangkörpers, der beim 'Allein Gott in der Höh sei Ehr' und beim 'Abendgebet' auch das Publikum in den Gesang einbezogen hatte. Nicht enden wollender Applaus machte nach 80 Konzertminuten deutlich, dass niemand in der Kirche Lust hatte, nach Hause zu gehen.

 

Foto: 'Bundweis' löste immer wieder den kraftvollen Chorgesang ab und machte so den festlichen Abend noch abwechslungsreicher