Männer & andere Missverständnisse

Creuzburg

Der geschlechterübergreifende Spaß spiegelte auf der Creuzburg das wahre Leben wider

Creuzburg (rüd)

„Anfangs war ER zärtlich, leidenschaftlich,liebevoll. Doch das ist LAAANGE HER. Nun ist der Mann in der Midlife-Crisis samt Allheilmittel. Der mit den Jahren ringende Mann verlässt das angetraute Weib, um sich für eine 'junge schöne Fee' wieder in den Märchenprinzen zu verwandeln. Zurück bleibt die verlassene Ehefrau … „. Mit diesen Worten war das französische Ursprungsstück angekündigt, das die Macher des Theater im Palais aus Erfurt für den Bühnenauftritt etwas gekürzt haben. Dennoch bleiben knapp 80 Minuten beste Unterhaltung über ein nur zu bekanntes Thema, bei dem Julie Seifert am Samstagabend im Festsaal der Creuzburg in die Rolle der betrogenen naiven Ehefrau schlüpfte. Mit Pistole (die Spielzeugpistole ihres Sohnes) und Kissen am Kopf tauchte die Darstellerin im Morgenmantel mit den Worten „man bringt sich doch nicht wegen einem Kerl um“ aus dem Dunkel ins Licht getaucht auf. Und dann erzählte sie erst einmal , wie alles begonnen hatte. Nein, sie wollten kein spießiges Ehepaar sein, doch dann kam alles anders – am Ende standen 5 Jahre Ehe, ein 4jähriger Sohn, Urlaub auf Pump, ein Häuschen auf Pump, aber alles mit Liebe erfüllt. Ihr Mann war kein Alkoholiker, eher ein Workaholiker. Die Eiszeit der Gefühle begann, als ihr Mann schließlich zu seiner Sekretärin ausgezogen war. Sie fühlte sich von der Einsamkeit umzingelt und verfiel in Depressionen. Die erste Station ihres Kreuzzuges nannte die betrogene Ehefrau diese Phase, in der sie sich selbst Schuld auflud mit der Erinnerung an die nervige Schwangerschaft. Nach 40 Minuten humorvoller Unterhaltung verabschiedete sich die junge Alleinunterhalterin mit Klasse und Esprit in die Pause. Auf dem Klo waren ihr währenddessen die besten Gedanken gekommen und so wollte sie sich jetzt auch einen Liebhaber suchen, auch weil sie den Sex noch liebte. Geschminkt und im knappen roten Kleid machte sie sich auf den Weg. Der Nachbar und ehemalige Liebhaber mussten beim teils frivolen Spiel herhalten und der Discobesuch mit Freundin Sabine im Chearleader-Look war ein eher peinlicher Ausflug. Mittel zum Kennenlernen gab es einige. Ob die lieben Freunde, die einen unter die Haube bringen wollten, oder als Dummchen in der Heimwerkerabteilung, in ihrer Situation nahm sie alles was sich bewegte. Zu Hause fand sie schließlich ihren Mann zusammengerollt auf dem Boden vor. Unglücklich war er gerade und erkannte gleich alles wieder im Schlafzimmer. Der Sohn freute sich, dass Papa wieder da war und es schien – Ende gut, alles gut. Von wegen. Nach dem pausenlosen morgendlichen Brötchenholen und dem Eintreffen eines Liebesbriefes ,war es dann endgültig vorbei. Die Scheidung und was darauf alles folgen kann , war letztlich der letzte Ausweg. Im Kimono mit Handtasche und Pistole in der Hand schien der Suizid das Ende. Aber nein, sie wolle nach Solingen fahren und Witwe werden, waren die letzten Worte der betrogenen Ehefrau . Das wiederum schien den gut 40 Zuschauern im Festsaal durchaus verständlich, die nach 90 Minuten das komödiantische Schauspiel von Julie Seifert mit viel Beifall würdigten